Knalltüten-News

Wenn Eltern „komisch“ werden

Fachtag  

"Wenn Mama und Papa das rote Zeugs trinken, werden sie immer so komisch". So oder ähnlich empfinden Kinder suchtkranke Eltern. Erschreckende Zahlen rufen die sozialen Dienste der katholischen und evangelischen Kirche sowie des Landkreises auf den Plan: Jedes sechste Kind in Deutschland hat mindestens einen suchtkranken Elternteil. Der Fachtag "Vom Schatten ins Licht" in der Hammerschmiede Königsbronn hat seinen Fokus darauf gerichtet, wie Kinder aus suchtbelasteten Familien besser erreicht werden können.

Das Problem liegt auf der Hand: Kinder wollen nicht sagen, dass ihre Eltern "komisch" werden, wenn sie Bier, Wein oder Schnaps getrunken haben. Kinder fressen ihre Sorgen und ihren Kummer in sich hinein, wenn es keinen geregelten Tagesablauf, kein Mittagessen und keine Ansprache bei den Hausaufgaben gibt, wenn niemand da ist, der mit ihnen spielt und sie einfach Kind sein lassen kann. "Wir erreichen immer noch viel zu wenig Kinder aus suchtbelasteten Familien", sagt Markus Mengemann, Geschäftsführer der Kinderstiftung Knalltüte und Fachleiter "Soziale Hilfen" bei der Caritas Ost-Württemberg. Gemeinsam mit Franz Rosenkranz, Geschäftsführer der Diakonie Heidenheim und Matthias Schauz, Sozialdezernent des Landkreises Heidenheim, begrüßte er über 100 Personen beim Fachtag "Vom Schatten ins Licht". In der Hammerschmiede Königsbronn führten Fachvorträge, Gruppenarbeit und Podiumsdiskussion zu Ergebnissen, die dem Problem aktiv und ganz konkret entgegenwirken können.

Warum ist das Erreichen von Kindern aus suchtbelasteten Familien so wichtig? "Diese Kinder leiden später an Bindungsstörungen, sie werden aggressiv und auffällig und vor allem weisen sie ein sechsfach höheres Risiko auf, selbst eine Suchterkrankung zu entwickeln", führt Professorin Christine Köckeritz von der Hochschule Esslingen aus. Um "Elternsüchte und Kindernöte" geht es im Referat von Helga Dilger und Claudia Quilitzsch von der MAKS, Freiburg. Die mutige Arbeit mit den Kindern und das offene, direkte Gespräch seien wichtig. "Vergessen sie auch den Humor in der Arbeit mit den Kindern nicht", merkt Quilitzsch an. Und: "Wenn Kinder Kinder sein können, dann wollen sie auch was erleben und nicht nur reden". Wichtig sei zu vermitteln, dass die Kinder mit ihrem Problem nicht allein sind und dass sie feste Ansprechpartner haben.

Einen ersten konkreten Schritt gibt es bereits: Die Kinderstiftung Knalltüte richtet zusammen mit der Caritas und der Diakonie die Kindergruppe "Löwenstark" ein. Finanziell wird sie von der "Aktion Schneeflocke" mitgetragen. In Aalen und Schwäbisch Gmünd gibt es bereits solche Kindergruppen, in denen kleine Schritte getan werden, um aus der Tabuisierung und der Sprachlosigkeit bezüglich dieses Themas ganz konkret entgegenzuwirken.

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2018-10-18 Präsentation_Fr.Quilitzsch_MAKS

2018_10_18-Präsentation_Fr.Prof.Dr.Köckeritz